Ohne Morla an die Sonne

Wie sicher allen bekannt, ist unsere Morla zurzeit nicht verfügbar. Das undichte Dachfenster, sowie der Wasserspeicher, welcher in der Fahrerkabine zu unfreiwilligem duschen geführt hat, müssen repariert, beziehungsweise beseitigt werden. Da beim Demontieren des Dachfensters die ganze Katastrophe sichtbar geworden ist – die Fenster wurden auf einem Holzrahmen aufs Dach geschraubt und dieser ist mittlerweile total morsch – müssen nun alle Dachfenster neu eingesetzt werden.

Trotzdem möchten wir den Winter nicht in der kalten, nebelverhangenen Schweiz verbringen. Also mieten wir uns kurzerhand in Südspanien ein kleines Appartement, packen unsere sieben Sachen in den PW und fahren los.

Erster Halt ist Lyon, das kulinarische Mekka von Frankreich. Im la Muniterie, einem Geheimtipp zum gut essen, haben wir einen Tisch reserviert. Da es in Frankreich kaum irgendwo vor 20.00 Uhr etwas zu essen gibt, haben wir genügend Zeit für den etwa drei Kilometer langen Spaziergang zum Restaurant. Schon bald wird es dunkel und das spezielle Lichterkonzept der Stadt kommt zum Tragen. Die beleuchteten, alten, dem UNESCO Welterbe unterstellten Gebäude können wir von weitem auf dem Hügel sehen. Da wir immer noch zu früh sind, genehmigen wir uns in einer Bar den Apero. Der französische Feierabend wird hier bei guter, sehr lauter Stimmung mit Alkohol und Häppchen zelebriert.

Nun aber geht es mit viel Hunger zum Ziel. Die schlichte, zwanglose Aufmachung des Restaurants spricht uns sofort an. Der Kellner erklärt das Konzept des 6 Gang Menüs, welches heute serviert wird. Eine Speisekarte gibt es hier nicht. Am Besten ist es, wenn man einfach alles gerne hat. Was zur Wahl steht ist, ob man zu jedem Gang den passenden Wein trinken möchte. Fast ein Muss, wie wir in den Bewertungen gelesen haben. Das Konzept gibt vor, dass das Essen serviert wird ohne dass man weiss was es ist. Die Kunst und das Vergnügen ist es, nun herauszufinden was sich jeweils auf dem Teller befindet. Schon der Gruss aus der Küche schmeckt uns fabelhaft. Auch wenn der vermeintliche Salbeibutter ein Rosmarinbutter ist. Egal, es schmeckt hervorragend. Aber es ist auch erschreckend wie man sich bei einem Geschmack täuschen kann. Diese Erfahrung machen wir während den nächsten drei Stunden noch öfter. Von Muscheln mit Pilzen geht es über zu Surf and Turf, bevor Fisch mit Muscheln kombiniert serviert werden. Das geräucherte Kalbsbries stellt den Hauptgang dar. Zur Wahl steht nun ein Käse-Gang, welcher nicht zum Menü gehört. Ich verzichte, doch Albi muss auch diesen kosten. Nun folgen zwei Desserts, eines fruchtig, das zweite gesund. Zu jedem Gang wird ein passender, französischer Weisswein serviert, inklusive zum ersten Dessert. Alle sehr gut und tatsächlich passend zum jeweiligen Gericht. Das zweite Dessert benötigt anscheinend einen deftigeren Gegensatz. Es wird ein Whisky mit einem süssen Reiswein serviert.

Gut gesättigt machen wir uns nach diesem spannenden, unterhaltsamen und ausgezeichneten Essen auf den Weg zum Hotel. Dieser Geheimtipp ist jedem der gerne gut isst sehr zu empfehlen!

Über Girona, wo wir unsere nächste Nacht verbringen, geht es weiter nach el Puig. Das kleine Städtchen nahe bei Verona ist etwas ganz Besonderes, wie wir bald feststellen. Es ist kalt und stürmisch. Das Zimmer im Hotel ist ebenso kalt wie ungemütlich. Die Spanier haben grundsätzlich keine Heizungen in ihren Häusern. So besuchen wir die einzige Sehenswürdigkeit des Ortes, das Kloster. Bald stellen wir fest, dass hier ein Fest im Gang sein muss, denn auf dem Klosterplatz ist Chilbi. Allerdings scheinen die Bahnen eher etwas für die Kleinen zu sein. Es erklingt Musik, wir folgen dem Klang bis ein paar Strassen weiter Musikanten mit Damen in Trachten zu sehen sind. Schon die kleinen Mädchen tragen stolz die Reifröcke, welche mit ihren teuren Brokatstoffen sehr festlich aussehen. Doch bald sind alle im Gemeindehaus verschwunden und wir machen uns auf die Suche nach einem Restaurant, denn wir haben Hunger. Man muss sich vorstellen, es ist Samstagabend und ein Fest wird gefeiert, aber ein offenes Restaurant ist einfach nicht zu finden, unglaublich! So gibt es auf dem Festplatz eben eine Portion Pommes…

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